Herkunft der Germanen und der deutschen sprachen

Herkunft der Germanen und der deutschen sprachen

Auf den Mediziner Ludwig Welser geht die Theorie zurück, dass sich die Urheimat der Urgermanen im heutigen Dänemark und den angrenzenden Teilen Südschwedens und Norddeutschlands befunden habe. Welser vertrat diese Theorie ab 1885, zuvor wurde ganz überwiegend eine mitteleuropäische Urheimat der Vorfahren der Germanen angenommen.

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die germanische Sprache
Germanen
die Literatur
die Geschichte
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Welsers Theorie wurde ab etwa 1895 durch den prominenten Prähistoriker Gustaf Koss Inna übernommen und setzte sich daraufhin durch, sie ist aber bis heute umstritten. Die Stämme, deren Nachkommen später als Germanen bekannt wurden, waren vermutlich nicht autochthone Einwohner dieser Gebiete; sie waren dorthin aus anderen Teilen Eurasiens zugewandert und hatten sich womöglich mit vorgermanischen Bewohnern dieser Gebiete vermischt (ein größerer Teil – früher meinte man ein Drittel – des germanischen Wortschatzes hat keine indogermanischen Wurzeln). Es ist nicht genau bekannt, seit wann Germanen auf jenen Territorien lebten; generell wird angenommen, dass die Anfänge der prägermanischen Kultur und Sprache bis ins 2. Jahrtausend v. Chr. zurückreichen.

Südöstlich dieser prägermanischen Gebiete, vermutlich in Böhmen und daran östlich und südlich angrenzenden Gebieten, lebten im 2. Jahrtausend vor Christus ursprünglich die Vorfahren der späteren Italiker. Direkt südlich und südwestlich des germanischen Gebietes hingegen lebten keltische Stämme beziehungsweise deren Vorfahren. Sprachwissenschaftler stellten einige Gemeinsamkeiten im Wortschatz zwischen germanischen Sprachen und Latein fest, die auf Kontakte und Nachbarschaftsverhältnisse dieser Völker hinweisen können. So entspricht das Wort Hals (das im Althochdeutschen und Gotischen dieselbe Form hatte: hals) dem lateinischen collus; das althochdeutsche wat (Furt, vgl. waten) dem lateinischen vadum.

Gegen Ende des 2. Jahrtausends v. Chr. zogen die Präitaliker nach Süden und siedelten sich im heutigen Italien an, wo Teile von ihnen später die Stadt Rom und das Römische Reich gründeten. Die einst präitalischen Gebiete wurden von germanischen Stämmen erst ab dem 1. Jahrhundert vor Christus besiedelt. Die Ausbreitung der Germanen im 1. Jahrtausend vor Christus in Mitteleuropa geschah hingegen überwiegend auf Kosten bis dahin keltischer Gebiete. Dies gilt vor allem für die Gebiete zwischen Ems und Rhein und für die Ausbreitung nach Süden bis zum Main und weiter bis zur Donau. Vermutlich in der La-Tène-Zeit wurden die seit jeher bestehenden Kontakte mit den Kelten intensiver, wobei damals die Kelten kulturell und wohl auch militärisch ihren nördlichen Nachbarn zunächst überlegen waren.

Entstehung der germanischen Sprache, erste Lautverschiebung

Die germanische Sprache bildete sich aus dem Indogermanischen im Laufe eines langsamen Prozesses heraus, der in der ersten Hälfte des 2. Jahrtausends einsetzte und ein bis zwei Jahrtausende dauerte. Die Änderungen, die zur Entstehung des Urgermanischen führten, betrafen vor allem die Phonologie, zum Beispiel Akzentverhältnisse. Während der Akzent bei den Germanen, wie in anderen indogermanischen Sprachzweigen, anfangs noch auf unterschiedlichen Silben liegen 
konnte – was auch Bedeutungsunterschiede bezeichnete – setzte sich bei ihnen später der dynamische Akzent auf der Stammsilbe durch. Meistens war dies die erste Silbe eines Wortes, es gibt aber auch unbetonte Vorsilben. Diese Form des Wortakzents gilt bis heute im Deutschen und in den anderen lebenden germanischen Sprachen. In manchen Sprachen (zum Beispiel im Russischen) blieb der Akzent (wie im Indogermanischen) beweglich, d. h., er kann auf verschiedene Silben morphologischer Formen eines Wortes fallen, dasselbe galt für Latein und Griechisch.

Diese Durchsetzung der Initialbetonung führte allmählich zur Abschwächung von Silben ohne Akzent und bewirkte tiefgreifende Änderungen im Lautsystem, von denen die so genannte Erste Lautverschiebung für die spätere Entwicklung germanischer Sprachen die größten Konsequenzen hatte.

Wanderungen germanischer Stämme.

Wenn man die Sprachregeln des Germanischen bespricht, muss man bedenken, dass die urgermanische Sprache von Beginn ihres Bestehens an kein einheitliches System darstellte. Eine germanische Sprache mit festgelegten Regeln, wie das heutige Deutsch, gab es nicht; die Stämme der Germanen sprachen ihre Stammessprachen.

Diese Differenzierung vertiefte sich noch, als im 2. bzw. 3. Jahrhundert n. Chr. germanische Stämme begannen, in andere Gebiete abzuwandern, noch vor der eigentlichen Völkerwanderung, die in Europa erst später mit dem Einfall der Hunnen Ende des 4. Jahrhunderts einsetzte. Im 3. Jahrhundert zogen die Burgunden von ihren Wohnsitzen an der Weichsel und Oder an den Rhein, an ihre Stelle traten später slawische Stämme. Noch früher, nämlich im 2. Jahrhundert, begannen die Goten, nach Süden abzuwandern, weshalb sie auf die spätere Entwicklung des Deutschen keinen Einfluss hatten. Im Norden wanderten im 5. Jahrhundert die Angeln und Sachsen nach Großbritannien ab; mit ihren Stammessprachen trugen sie zur Entstehung der englischen Sprache bei.

Durch Kontakte der Germanen mit den Römern, die über den Rhein und die Donau vordrangen, mit germanischen Stämmen Kriege führten und die an das Römische Reich angrenzenden Gebiete mit ihrer Kultur beeinflussten, wurden in die germanischen Sprachen viele lateinische Wörter übernommen.

Kriege zwischen Römern und Germanen, aber vor allem die Tatsache, dass viele Germanen im römischen Heer als Soldaten dienten, führten zu der Übernahme vieler Wörter auch aus diesem Bereich. So entwickelte sich aus dem lateinischen Wort pīlum (das in dieser Sprache Wurfspieß bedeutete) über das altsächsische und das angelsächsische pīl das heutige Wort Pfeil; aus dem lateinischen pālus (Palisade) entstand der heutige Pfahl (im Angelsächsischen, Altfriesischen und Altsächsischen lautete das Wort pāl).

Im 3. bis 5. Jahrhundert übernahmen die Germanen unter römischem und griechischem Einfluss auch die Siebentagewoche, die eigentlich orientalischen Ursprungs ist. Die germanischen Namen der Wochentage waren zumeist Lehnübersetzungen der lateinischen Bezeichnungen, die von den Namen der Planetengötter stammten.

Die heutigen deutschen Wochentage haben folgende Etymologie:

  1. Sonntag ist die wörtliche Übersetzung des lat. diēs Sōlis (Tag der Sonne), vgl. altnordisches sunnu(n)dagr, altsächsisches sunnundag, angelsächsisches sunnandæg.
  2. Montag wurde in gleicher Weise aus lat. diēs Lūnae (Tag des Mondes) übersetzt, vgl. altnordisches mānadadagr, angelsächsisches mōn(an)dæg, altfriesisches mōnendei.
  3. Dienstag, mittelniederdeutsch dingesdach, ist eine Lehnübertragung von lat. diēs Mārtis (Tag des Mars) und geht auf den mit dem latinisierten Namen Mars Thingsus belegten germanischen Gott Tyr, Beschützer des Thing, zurück, vgl. altnordisches tysdagr.
  4. Donnerstag entstand aus dem lateinischen diēs Jovis dadurch, dass der römische Gott Jupiter mit dem germanischen Gott Donar gleichgesetzt wurde, vgl. altnordisches þōrsdagr, angelsächsisches þunresdæg, altfriesisches thunresdei.
  5. Freitag (lat. diēs Veneris) entstand auf eine ähnliche Weise – die germanische Göttin Fria wurde mit der römischen Göttin Venus
  6. Mittwoch scheint hier eine Ausnahme zu sein, hat aber auch Gemeinsames mit der lateinischen Sprache und der germanischen Mythologie. Das Wort ist eine Lehnübersetzung aus kirchenlat. media hebodamas und setzte sich erst im Spätalthochdeutschen (mittawehha) durch. Früher hieß der Tag Wodanstag (engl. „wednesday“ od. niederl. „woensdag“).
  7. Samstag ist hier das einzige Wort, das aus dem Griechischen (sábbaton) und, indirekt, Hebräischen Schabbat (שבת) entlehnt wurde.
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  1. Duden. Band I. Die deutsche Rechtschreibung. 20., völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Duden Verlag. Mannheim. Leipzig. Wien. Zürich,1991.
  2. Deutsche Sprache. Kleine Enzyklopädie. Herausgeber W. Fleischer u. a. 1.Auflage. Leipzig, 1983.
  3. Heller K. Rechtschreibreform. In: Börsenblatt. 14/16 Februar 1996.
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