Die sozial-berufliche Stratifikation des deutschen Wortschatzes

Die sozial-berufliche Stratifikation des deutschen Wortschatzes

Jede Gesellschaft lässt sich nach der beruflichen Tätigkeit, nach gemeinsamen Interessen, nach dem Alter usw. in verschiedene Sozialgruppen teilen. So entstehen die Gruppenwortschätze. Dieser Wortschatz entwickelt sich in verschiedenen Gruppen der Sprachgemeinschaft aufgrund der gemeinsamen Lebensbedingungen. Für sozial-beruflich ausgeprägte Lexik werden in der Germanistik viele Termini gebraucht: Sondersprachen, Sonderwortschätze, Sonderlexik, Soziolekte.

Аннотация статьи
Sonderlexik
Sonderwortschätze
die Sondersprachen
Ключевые слова

Drei Besonderheiten der Sonderlexik sind aus soziolinguistischer Sicht hervorzuheben:

  1. Es ist keine selbständige Erscheinungsform der Sprache. Es ist nur ein eigentümlicher Wortschatz, der in der Gemeinsprache realisiert wird. Darum bevorzugt man in moderner Germanistik die Termini – Sonderwortschätze, Sonderlexik, Soziolekt Ismen.
  2. Es geht dabei nicht um individuelle Abweichungen von der Norm der Schriftsprache, sondern um die von der Norm abweichenden sprachlichen Besonderheiten ganzer Sprechgruppen. Sonderlexik ist für mündliche Sprache typisch.

In der Germanistik wurde die Sonderlexik traditionsgemäß in drei Gruppen eingeteilt:

  • Fachsprachen (Termini);
  • Berufssprachen (Berufswortschatz);
  • Standessprachen (Jargons).

Zu den Fachwortschätzen sind Termini, Halbtermini und Fachjargon Ismen zu zählen. Unter Termini oder Fachwörtern versteht man fachbezogene Wörter, die in fachgebundener Kommunikation realisiert werden. Der Terminus ist nur durch eine Definition zu erklären. Termini sind deshalb immer Fachwörter, deren Inhalte durch Definitionen festgelegt sind. Der Terminus ist nur aus einer Theorie abzuleiten und kommt daher nur als Element einer Terminologie bzw. eines terminologischen Systems vor.

Die wesentlichen Kriterien für einen Terminus sind Eindeutigkeit, Genauigkeit, Festlegung seines Wertes in der Hierarchie der Terminologie. Die pragmatischen Gesichtspunkte wie Wirkung, Verständlichkeit, Emotionalität sind dafür zurückgetreten. Außerhalb dieses terminologischen Systems kann er auch nichtterminologisches gemeinsprachliches Wort sein. Neue Erkenntnisse wirken sich auf terminologische Systeme und ihre Elemente aus. Daher können auch Termini zu Homonymie und Polysemie und auch zur Synonymie tendieren. Professionalismus sind wie die Termini eine sach- oder fachgebundene Lexik, die der sach- oder fachgebundenen Kommunikation dient. Im Unterschied zu den Termini sind die Professionalismus nicht standardisierte und nichtdefinierte Fachwörter und dienen der praktisch-fachlichen Kommunikation und nicht der theoretisch-fachlichen. In der Germanistik versteht man unter Berufslexik solche Sonderwortschätze wie Bergmannssprache, Zimmermanssprache, Seemannssprache. Das sind meistens Wörter, die sich mit dem gemeinsprachlichen Wortschatz kreuzen und sich von diesem meist nur durch Zugehörigkeit zu einem speziellen Fachbereich abheben.

Zur fachgebundenen Lexik gehören (neben Termini und Halbtermini) auch expressive Dubletten der Fachwörter. Im Unterschied zu den Termini kommt es bei ihrem Gebrauch nicht auf Genauigkeit oder Eindeutigkeit, sondern auf wertende, oft abwertende Charakteristika. Sie werden häufig an Stelle der Termini oder Halbtermini, besonders im alltäglichen vertrauten Umgang mit Arbeitskollegen gebraucht. Sie haben meist bildhaften Charakter und enthalten vielfach eine starke wertende Bedeutungskomponente. Aufgrund dieser Funktion wird diese Lexik als Berufsjargonismen oder Fachjargon Ismen bezeichnet.

Unter gruppenspezifischen Wortschätzen versteht man Sonder- Wortschätze verschiedener sozialer Gruppen einer Sprachgemeinschaft mit gemeinsamen Lebensbedingungen. In den früheren Klassifikationen sind sie als Jargons bekannt, in jüngeren – als Gruppensprachen, Gruppenwortschätze, Soziolekte. Ihr Gerbrauch kennzeichnet den Sprecher als Angehörigen einer Interessen-, Freizeit-, Alters- oder Organisationsgruppe. Der Unterschied dieser gruppenspezifischen Lexik von den Fachwortschätzen besteht darin, dass sie expressive oder euphemistische Synonyme zu den bereits bestehenden Wörtern der Gemeinsprache darstellen. Hauptmerkmale, die alle Gruppenwortschätze kennzeichnen, sind die Anschaulichkeit und Bildhaftigkeit der Wörter, die durch metaphorische Übertragung der gemeinsprachlichen Lexik entsteht.

Zu den bekanntesten Wortschätzen des Deutschen gehören die so genannte Studentensprache, die Gaunersprache bzw. das Rotwelsch oder Argot, die Soldatensprache.

Dieser Wortschatz zeichnet sich durch eine besondere Wandelbarkeit aus.

Die Jargons zerfallen in drei Gruppen:

  • Klassenargons;
  • Gruppenjargons;
  • Geheimnisjargons (Argot).

Klassenjargons entstehen unter bestimmten historischen Umständen und stellen gewöhnlich die Sprechweise der Oberschichten der herrschenden Klassen in der Klassengesellschaft dar.

Zu dem Gruppenargon gehört die Lexik der Menschen, die gezwungen sind, gemeinsam zu leben oder viel Zeit mit einander zu verbringen. Diese Jargons entstehen spontan und dienen keinen Zwecken. Zu dieser Gruppe gehören der Soldatenjargon, der Studentenjargon usw. Die Jargon Lexik ist sehr bildlich, ist in ihrem Gebrauch beschränkt, von Ironie und Sarkasmus durchdrungen und besitzt viele emotionell gefärbte Synonyme.

Ein viel umstrittenes Problem der gruppenspezifischen Lexik sind gewisse Eigenheiten des Wortschatzes der Jugendlichen. In der einschlägigen Literatur gibt es auch andere Bezeichnungen: Jugenddeutsch, Jugendjargon, Jugendslang, Teenagerdeutsch, Jugendsprache, Soziolekt u. a. Die Besonderheit der Jugendsprache ist die Tatsache, dass sie sozial nicht gebunden und nicht beschränkt ist. Träger dieses Gruppenwortschatzes sind verschiedene Altersgruppen, sie umfassen Jugendliche im Alter von 14 bis 30 Jahren. Die Wechselbeziehungen zwischen Jugendlexik und Umgangssprache ist ein durchaus interessantes Thema der modernen lexikalischen Forschung. Der Beitrag der Jugendlexik zur Erweiterung der expressiven, stilistisch markierten Lexik ist in den letzten Jahrzehnten sehr bedeutend. Gerade die Jugendlexik ist eine der wichtigsten Quellen der gängigen Ausdrücke bzw. Modewörter in der saloppen Alltagsrede.

Der Jargon der deklassierten Elemente (Verbrecher, Diebe) nennt man Argot, eigentlich Gaunersprache oder Rotwelsch. Unter dem Argot versteht man den Jargon der deklassierten Gruppen, die ihre Handlungen verheimlichen möchten. Und die Sprache dieser Gruppe bekommt einen geheimen, abgesonderten Charakter. Deswegen nennt man manchmal das Argot auch Geheimsprache. Die Argot Ismen zeichnen sich durch Spezialisierung und Konkretisierung der ausgedrückten Begriffe aus. In den Argots findet man viele spezielle Wörter, die allgemeine Bezeichnungen für verschiedene Begriffe ersetzen. Obwohl das Argot seine Besonderheiten hat, fällt es im Wesentlichen doch mit anderen Jargons zusammen.

Als Quellen der Entstehung fachsprachlicher Lexik können folgende Faktoren genannt werden:

  • gemeinsprachliches Wortgut, das durch Definition genormt und terminologisiert worden ist;
  • metaphorische oder metonymische Übertragung aus der Gemeinsprache und Wortbildung (für die motivierten Termini);
  • fremdes Wortgut (meist Internationalismen, Neubildungen aus griechischen oder lateinischen Morphemen und Lexemen).

Eine der viel diskutierten Fragen ist der Einfluss der Fachlexik auf den Gemeinwortschatz. Die Fachwörter verschiedener Bereiche beeinflussen immer stärker den Wortschatz der Gemeinsprache. Darum spricht man heute von einer zunehmender Intellektualisieren der Gemeinsprache (als Folge einer von Wissenschaft und Technik beeinflussten gesellschaftlichen Entwicklung). In der Alltagspraxis werden heutzutage viel mehr technische Konsumgüter verwendet. Das technische Vokabular dringt damit in die Gemeinsprache ein. Das sind Fachwörter der Elektronik, der Wortschatz der Kraftfahrzeugtechnik usw. Die Lexik der Gemein- und Umgangssprache wird ständig durch Gruppenwortschätze bereichert. Die synonymischen und thematischen Reihen des Allgemeinwortschatzes werden mit stilistischen und ideographischen.

Текст статьи
  1. Duden «Die Grammatik». Deutschland, 2010.
  2. Щерба Л. В. «Опыт общей теории лексикографии». Moсква, 1957.
  3. Stepanova M. D, Sernyseva I. I «Lexikologie der deutschen Sprache». Moskau, 1975.
Список литературы
Ведется прием статей
Прием материалов
c 17 апреля по 23 апреля
Осталось 4 дня до окончания
Публикация электронной версии статьи происходит сразу после оплаты
Справка о публикации
сразу после оплаты
Размещение электронной версии журнала
27 апреля
Загрузка в eLibrary
27 апреля
Рассылка печатных экземпляров
05 мая